Relief in Mamallapuram.

Mamallapuram – perfekt unfertig

Südlich von Chennai im Bundesstaat Tamil Nadu liegt Mamallapuram. Der Tempelbezirk gehörte zum Königreich von Mamalla, dem „großen Ringer“. Der Pavalla-König ließ im 7. Jahrhundert die Anlage erbauen. Diese wuchs auch nach ihm weiter – bis ins 9. Jahrhundert hinein. Mamallapuram ist wunderschön und hat eine Besonderheit: Vieles ist nur fast fertig.


Die Tempel von Mamallapuram sind meist aus nur einem einzigen Felsen gemacht. Auch dieses gigantische Relief (das Foto zeigt nur einen Ausschnitt, das Aufmacherfoto zeigt mehr davon) ist in einen riesigen Felsen gehauen.

Relief in Mamallapuram.

Es ist das größte Relief in Mamallapuram. Die Spalte in der Mitte symbolisiert den Fluss Ganges, wie er auf die Erde kommt. Beziehungsweise die Göttin Ganga, wie sie auf die Erde hinabsteigt. Mamallapuram ist UNESCO-Weltkulturerbe. (Foto: Sonja Ernst)

Oben links steht Shiva mit seinen Ganas, seiner Truppe. (Daher kommt auch der Name des Elefantengottes Ganesha. Er ist der Herr der Ganas, und er ist der Sohn Shivas. Seinen Elefantenkopf hat er übrigens von seinem Vater bekommen. Dazu mehr ein anderes Mal.) Neben Shiva steht die Heldengestalt Arjuna in einer Yoga-Position. Er will Shivas Gunst gewinnen, um dessen tödliche Waffe Pashupata zu erhalten. Das ist zumindest eine Interpretation des Reliefs.

Relief in Mamallapuram.

Enten, Katzen, Elefanten etc. In den Stein wurden auch Affen (vermutlich) gemeißelt, die es nur im Norden Indiens gibt. Die Reliefs erzählen komplette mythologische Geschichten, aber auch vom Dorfleben der Pavalla. (Foto: Sonja Ernst)

Unumstritten ist, dass es hier um den Fluss Ganges geht, wie er zur Erde fließt. Das Flachrelief beeindruckt mit vielen Details. Nicht zu vergessen: Alles ist in Fels gehauen im 7. Jahrhundert. Und Humor hatten sie auch, die Pavalla. Vor dem großen Elefanten steht eine Katze in Yoga-Position und vor ihr Mäuse – ganz ohne Angst. Manche interpretieren die Szene so, dass die Katze den Helden Arjuna nachmacht und die Mäuse sie auslachen. Aber auch das ist nur EINE Lesart.

Viele andere der Flachreliefs sind Teil der monolithischen Tempel von Mamallapuram – also im Innern der Tempel. Zum Beispiel die göttliche Mutter Durga, wie sie einen Büffel-Dämon bekämpft. Und Vishnu in sehr entspannter Pose.

Relief in Mamallapuram.

Durga kämpft und siegt. (Foto: Sonja Ernst)

Relief in Mamallapuram.

Vishnu ganz entspannt. Seine vier Insignien hat er kurz abgegeben: sein Schneckenhorn (shankha), seine Keule (gada), die Wurfscheibe (chakra) sowie seine Lotusblume (padma). (Foto: Sonja Ernst)

Alle wollen Fotos machen. Klar. Nicht nur die indischen Touristen lieben Selfies – vor, hinter und im Tempel.

Relief in Mamallapuram.

Erstaunlich ist der Löwe mit Menschengesicht (im Relief links). Vermutlich eine Inspiration aus dem alten Ägypten. Eine Art Mini-Sphinx. (Foto: Sonja Ernst)

Eine Besonderheit in Mamallapuram ist, dass rund 90 Prozent der Tempel nur fast fertig sind. Dafür gibt es keine überzeugende Erklärung. Das Pallava-Königreich prosperierte zu dieser Zeit, und es gab keine Übergriffe.

Relief in Mamallapuram.

Ein dicker Elefanten-Po. Daran erinnert der Felsen von oben (nämlich vom Leuchtturm). In dem scheinbar großen, liegenden Elefanten ist der Tempel mit den Reliefs von Durga und dem liegenden Vishnu. (Foto: Sonja Ernst)

An einer anderen Stelle in Mamallapuram stehen diese fünf Tempel. Alle zeigen unterschiedliche Stilmerkmale. Es ist unklar, ob man hier experimentieren wollte. Oder aber dokumentieren – das wäre gelungen.

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Die Tempel links sind aus einem einzelnen Felsen gehauen. Auch der Tempel ganz rechts. Sie wurden von oben nach unten aus dem Felsen herausgearbeitet. (Foto: Sonja Ernst)

Dharmaraja Ratha ist einer der Tempel (links, ganz hinten). Mit drei Stockwerken der Größte. Auch hier sind Reliefarbeiten unfertig geblieben. Aber manche sind fertig – und perfekt.

Relief in Mamallapuram.

Links Mann, rechts Frau. Schultern, Taille und Hüfte zeigen links einen Mann, rechts eine Frau. Auch der Schmuck an den Ohren unterscheidet sich. Die Skulptur gehört zum Tempel Dharmaraja Ratha. (Foto: Sonja Ernst)

Noch ein Tempel, direkt am Meer gelegen. Man hört das Rauschen der Wellen. Am Strand vergnügen sich die indischen Touristen – nicht nur mit Cricket-Spielen, auch mit Reiten. (Bei 35 Grad.)

Mamallapuram liegt fast direkt am Indischen Ozean. Dort ist der

Der Küstentempel (ausnahmsweise mal kein Monolith) von Mamallapuram. Gebaut Ende des 8. Jahrhunderts.

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Zum Küstentempel gehören zwei Tempel, die Shiva geweiht sind. Dazwischen liegt ein Tempel für Vishnu – wieder schlafend.

Szene in Mamallapuram.

Damit ist die kleine Führung durch Mamallapuram beendet. (Foto: Sonja Ernst)

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