In Old Delhi herrscht geregeltes Chaos. Ein Mann bahnt sich mit seiner Rikschah seinen Weg. (Foto: Sonja Ernst)

„Wer diese Tour überlebt, kann überall Fahrrad fahren“

Der Verkehr in Indiens Megastädten ist brutal, auch in Delhi. Es geht chaotisch und gefährlich zu. Wer will da schon radeln? Ich habe es ausprobiert und bin durch Old Delhi gefahren – ein besonderer historischer Ort. Am Ende wurde ich sogar mit einem  Überlebenszertifikiat belohnt.

Ich habe für den Sonntagsspaziergang von Deutschlandfunk eine Radel-Tour durch Old Delhi gemacht. Die Reportage lief am 11.02.2018. Das gesamte Skript gibt es hier und das Audio gibt es noch ein paar Wochen zum Nachhören: http://www.deutschlandfunk.de/old-delhi-mit-dem-fahrrad-wer-diese-tour-ueberlebt-kann.1242.de.html?dram:article_id=410479

 

Durch diesen besonderen Ort Old Delhi bin ich nicht alleine geradelt. Die NGO „Delhi by Cycle“ – also Delhi mit dem Fahrrad – bietet Rad-Touren durch Delhi an. Die kleine Organisation will das Fahrradfahren populär machen und verbindet das mit Geschichte und Abenteuer.  Der Gründer von „Delhi by Cycle“ ist ein Niederländer, wen wundert es.

Wir treffen uns morgens um 6:30 Uhr in Old Delhi: Wir sind vier Touristen, ich und Deepika. Sie ist Anfang 20, studiert Geschichte und passt heute auf uns auf. Zwischendurch wird sie uns für Old Delhi und seine Vergangenheit begeistern.

Der Mogul-Herrscher Shah Jahan hat sich Old Delhi ausgedacht

Old Delhi ist eine historische Stadt und liegt heute mitten in der Millionen-Metropole Delhi, Indiens Hauptstadt. 1648 wurde die Stadt von dem namhaften Mogulherrscher Shah Jahan erbaut. Er ist berühmt für den Bau des Taj Mahal – ansonsten ist er nicht sonderlich bekannt.

Das Mogul-Reich jedoch war eine große Landmacht in Asien zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert – und der muslimische Herrscher Shah Jahan war einer der Kaiser dieses Reiches. Er ließ Alt-Delhi als seine neue Hauptstadt erbauen: Sechs Quadratkilometer groß und umgeben von hohen Mauern mit 14 Toren. Old Delhi war eine prächtige Stadt. Doch um 1850 ging die Zeit des Mogul-Reiches zu Ende. Die britische Krone übernahm die Herrschaft über den indischen Subkontinent komplett.

Blick über die Dächer von Old Delhi.

Früh am Morgen in Old Delhi, bevor sich die Hitze über alles legt (Foto: Sonja Ernst)

Old Delhi ist heute wahnsinnig überfüllt. Ab 10 Uhr kommt man hier kaum noch durch die Straßen und Gassen. Wir radeln auf breiteren Straßen, teils durch engste Gassen. Rechts und links ragen die Mauern in die Höhe, es kommt kaum Sonnenlicht bei uns an. Die Wände sind teils mehr als 400 Jahre alt. In Old Delhi finden sich die ältesten Märkte Delhis und man bekommt alles: Lebensmittel, Smartphones, Haushaltswaren, Brautmode. Hier findet sich Asiens größter Gewürzmarkt und vor allem bekommt man hier verdammt leckeres Essen.

Zu Old Delhi gehört auch das Rote Fort, eine Festungs- und Palastanlage. Sie ist heute eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Delhis, Weltkulturerbe sowie ein historischer Ort. Dort verkündete Indiens erster Ministerpräsident Nehru im August 1947 die Unabhängigkeit seines Landes. Nah bei ist die Freitagsmoschee, die Jama Masjid. Ein riesiger roter Sandsteinbau für 20.000 Menschen und damit die größte Moschee Indiens. Beides wurde von Shah Jahan erbaut.

Wir kämpfen uns durch das Verkehrsgewusel und am Ende kommen wir alle heil an. Beine, Arme und Köpfe sind alle noch dran. Dafür gibt es ein Überlebenszertifikat und Lob von Deepika.

Stau in Old Delhi, manchmal geht es gar nicht weiter.

Manchmal geht auch gar nichts mehr im täglichen Verkehr in Old Delhi (Foto: Sonja Ernst)

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